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 Das Denkmal des Emahil! 
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Beitrag Re: Das Denkmal des Emahil!
Aivere


Vor einer Stunde waren sie auf dem Gehöft angekommen und Mirabell hatte ihnen ein köstliches Mittagessen vorgesetzt. Natürlich hatte die rundliche Frau sie nicht einfach so gehen lassen, als sie verkündeten, dass sie zu Emahils Baum wollten, nein, sie hatte Aivere und Claire erst einmal betüddeln müssen.
Mirabell war eine herzensgute Frau und doch sah man auch ihr den Krieg an! Einer ihrer Söhne und ihr Mann waren gefallen und ihr Gehöft hatte gelitten, doch das Alles hatte sie natürlich nicht unter kriegen können. Sie hatte das Meiste an ihrem Hof und den umliegenden Feldern schon wieder aufgebaut und ihr Gasthaus, was sie nebenbei für die Händler betrieb, war auch schon wieder in vollem Gange.
Aivere senkte jetzt respektvoll den Kopf, als sie Emahils Baum erreichten und kniete sich nieder. Es war wie ein Wunder, dass dieser Baum von den Vampiren nicht gefällt worden war, denn er zeigte die ganze Macht Emahils. Doch der Baum und alles um ihn herum - alle Gedenkstätten, Gräber, Gärten und Schreine - war vollkommen zerstört worden. Es sah hier bei weitem nicht mehr so friedlich und rein aus, wie sie es in Erinnerung hatte. Vor knapp 1000 Jahren war sie zum ersten Mal hier gewesen und da hatte hier alles geblüht, der Tempel in der Nähe hatte sich um die Gärten und Stätten gekümmert und hatte hier seine Riten abgehalten.
Doch jetzt war davon nichts mehr zu sehen.. Wahrscheinlich existierte der Tempel schon lange nicht mehr und die Priester und Priesterinnen waren schon bei den ersten Überfällen der Vampire umgebracht worden.
Sacht strich sie über die raue Rinde des Baumes. "Was hat man dir und deinen Dienern nur angetan Emahil? Warum hast du ihnen so viel Freiraum gewährt?" fragte sie leise flüsternd und erhob sich dann wieder.
Leise trat eine Frau zu ihnen und legte eine rituelle Blume nieder. Es war Mirabells Tochter, Chiva, sie war eine Priesterin gewesen und Aivere sah sie an und die junge Frau erkannte sie sofort.
"Ai! Wie schön! Lange hast du uns nicht mehr besucht - zu lange!" begrüßte sie Aivere und verneigte sich vor ihr und ihren beiden Begleitern Claire und dem Wolf. "Ich freue mich dich wohl auf zusehen Chiva! Ich hatte Sorge, dass du den Vampiren im Tempel zum Opfer gefallen bist." entgegnete Aivere lächelnd und nickte ihr zu. Die junge Frau brach in haltloses schluchzen aus und Tränen liefen ihre Wange hinab. Aivere legte ihr beruhigend einen Arm um die Schultern.
Die junge Frau hatte ganz offensichtlich auch ihren Mann oder ihr Kind verloren oder auch auch beides, wie Aivere selbst.
"Ist ja gut!" murmelte sie sanft und strich Chiva über den Arm. Diese fing sich langsam wieder und richtete sich wieder auf. "Wir bauen den Tempel wieder auf und auch die heiligen Stätten um den Baum, doch das braucht viel Zeit und viele von uns sind nicht mehr übrig. Viele wurden gemordet und den Anderen von uns wurde alles genommen.." berichtete sie mit immer noch belegter und brüchiger Stimme.
"Ich weiß Chiva, so ist es überall und ich bin hier um euch zu helfen! Ich habe Verstärkung mitgebracht und gemeinsam bauen wir alles wieder auf." erklärte Aivere ihr und lächelte.
Chiva verbeugte sich dankbar und schritt langsam wieder zurück in die Richtung, in der einst der Tempel stand. Aivere zog Claire sanft an ihre Seite. "Ich wünschte du hättest Emahils Baum vor 1000 Jahren sehen können! Damals stand er in mitten von kleinen Gärten, Schreinen und kleinen rituellen Gräbern, die die Pilger für ihre Verstorbenen errichtet hatten. Es war ein friedlicher Ort! Ein Ort der Ruhe und der Andacht! Lebewesen jeder Rasse kamen hier her um zu beten. Sie baten um Emahil um gute Ernten, Segen für ihre Kinder und Liebsten und um das Seelenheil verstorbener. Viele brachten kleine Opfer in Form ritueller Blumen dar, so wie Chiva es eben getan hat. Es heißt, früher sei Emahil selbst oft hier erschienen und hätte über das Gehöft gewacht und über seine frommen Pilger. Dieser Baum war das Erste was Emahil in der Zeit des Schaffens Pflanzte und er hat all die Jahrtausende überdauert - selbst die Vampire konnten diesem heiligen Baum nichts anhaben.." erklärte sie dem kleinen Mädchen.
"Warum hat Emahil denn nichts gegen die Vampire unternommen? Gegen den Krieg und das viele Leid? Warum haben die Götter mir trotzdem meine Mama genommen? Sie hat doch jeden Abend für alles gebetet!", fragte Claire sie und die Tränen liefen über ihre Wangen. Ihre Stimme war verzehrt von ihren Tränen und dem Schmerz.
Aivere schloss die Augen.
"Ich weiß nicht warum Emahil dies Alles geschehen ließ, Engelchen, leider. Doch wie ich dir gestern Abend schon erzählt habe, haben sich die Götter aus dem Weltgeschehen zurück gezogen. Sie haben das Geschick der Welt in die Hände ihrer Kinder gelegt und ich kann mir nur denken, dass sie ihnen allen eine Lektion erteilen wollten - warum weiß ich allerdings auch nicht. Ich glaube nicht das Iva wollte, dass deine Mama stirbt, ich glaube das keiner der Götter wollte das die guten und reinen Menschen sterben, aber das sie vielleicht selbst nichts mehr dagegen tun konnten, als alles so weit fortgeschritten war. Aber eines weiß ich Claire: Iva hat deine Mama unter ihren Schutz genommen und ihr geht es gut bei ihrer Göttin - genau wie all den anderen Seelen die gefallen sind! Viele ließen für die Freiheit ihr Leben! Viele stolze Männer, aber auch Unschuldige, wie deine Mama und mein Sohn mussten für ein freies Adrajas sterben. Mir fällt es auch schwer einen Sinn darin zu sehen und nicht wütend auf Androx und die anderen beiden Götter zu sein, aber unser Zorn bringt sie uns auch nicht wieder zurück. Im Gegenteil! Er frisst uns langsam von innen auf und zerstört uns, verändert uns. Wir dürfen das nicht zulassen, egal wie schwer es ist, wir müssen versuchen das Gute zu sehen! Wie die Zentauren Mutter mit ihrem Jungen auf der Ebene oder den jungen Baum oder auch das es immer noch Menschen gibt, die rein sind und uns lieben." antwortete Aivere sanft und lächelte Claire aufmunternd zu.
"Du hast noch deinen Onkel hier und deine Freundin vom Hafen. Und du lernst neue Menschen kennen, die dich lieben werden. Neue Freunde und Verbündete, deinen kleinen Hengst, Mirabell und mich zum Beispiel. Auch wenn unsere Herzen mit Schmerz und Wut gefüllt sind so gibt es doch immer auch noch etwas Gutes in der Welt und wir müssen versuchen es zu finden und zu erweitern!" fügte sie hinzu und sah zu Callistus. Selbst in dieser Gestalt konnte sie ihm ansehen, dass er ihre Worte für Unsinn hielt. Sacht strich sie ihm durchs Fell.
"Auch du wirst irgendwann wieder das Gute sehen können!" murmelte sie ihm leise zu und wandte sich dann wieder der Kleinen zu.
"Ich glaube ich will zu Emahil, ich liebe doch Bäume.." platzte es aus der Kleinen heraus und sie schlug sich erschrocken die Hand vor den Mund.
Aivere hob sie sanft hoch und strich ihr über die Wange. "Du brauchst keine Angst mehr haben, Liebes. Niemand verurteilt dich mehr dafür, dass du glaubst. Und ich bin mir sicher, wenn du dich unter Emahils Schutz stellen möchtes, so wird er ihn dir gewähren!" erklärte sie ihr sanft lächelnd. "Doch noch hast du Zeit! Hetze dich nicht und lass dich von deinen Gefühlen zu dem richtigen Gott leiten. Dein Weg wird von allen dreien begleitet bis du eine Entscheidung getroffen hast und ich werde dich ebenfalls begleiten - wenn du das möchtest und dein Onkel es gestattet, dass ich die leite.." fügte sie hinzu und küsste bedächtig die Stirn der Kleinen.
Dann setzte sie das Mädchen wieder ab und Claire sah zu einer Gruppe Kinder hinüber, die spielten. Aivere kannte die Kinder, sie gehörten alle zu dem Gehöft und den umliegenden Dörfern, wahrscheinlich hatten viele auch ihre Eltern verloren oder zumindest einen Teil.
"Ich kenne die Kinder, geh ruhig zu ihnen spielen - wenn dein Onkel es gestattet - dir kann hier nichts geschehen. Chiva und Aron, sehe ich, die über die Kinder wachen und Chiva weiß wohin du gehörst, sie hat dich ja gerade bei uns gesehen. Hab keine Angst mehr Claire.." sagte sie ermutigend zu der Kleinen und diese flitzte davon, als sie einige Blicke mit ihrem Onkel gewechselt hatte.
Aivere stellte sich sich neben Callistus. "Hab keine Angst um sie! Ihr wird nichts geschehen, nicht hier, nicht mehr. Und ihre Wunden werden heilen - irgendwann! Sie ist noch jung und sie kann das besser verkraften als wir, die wir uns so lange geplagt haben bis wir das wahre Glück gefunden hatten. Unsere Wunden werden nie wieder vollkommen verheilen, es werden tiefe Narben bleiben und viele der Wunden werden immer wieder aufreißen.." flüsterte sie dem Wolf zu und schloss die Augen, in denen schon wieder Tränen schwammen..

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21. Apr 2013, 13:32
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Beitrag Re: Das Denkmal des Emahil!
Callistus.



Callistus schnaubte! Er löste sich weg von der Sirene, Ai, und verwandelte sich, von dem riesigen Wolf in den Menschen, als der er auch nicht gerade besonders klein war. Er trat langsam wieder zu der zierlichen Frau, die die Sirene dennoch war, und schlang ihr das Fell, ihr Fell, um den Körper, hüllte sie behutsam darin ein.
"Weißt du, wenn sie glauben kann ist das in Ordnung, aber verschon mich! Claire glaubt vielleicht was du ihr erzählst, kann die Hoffnung irgendwie bewahren, die ihre Mutter ihr immer hatte schenken wollen doch ich glaube schon lange nicht mehr - ich bin kein Narr, ich weiß, dass es die Götter schon lange nicht mehr für nötig halten, den Menschen zu helfen.. Und ich will nicht glauben, ich werde mich nicht dieser Frau vor die Füße werfen und sie anflehen mir Hoffnung zu geben..", sagte er kalt und wandte sich von dem heiligen Ort ab.
"Aber ich weiß, dass es für meine Familie im Grunde nur ein Segen war, das zeitliche zu Segnen, doch niemals hätte ich mir gewünscht, das Claire bei all dem Schmerz und Leid bleibt. Ich würde alles dafür geben, Claire ihre Familie - ihre Eltern wieder zu geben - doch ich kann es nicht..", sagte er und schüttelte den Kopf. Ja, er war vielleicht mächtiger als viele seiner Rasse doch nicht mal der mächtigste von Ihnen konnte aus Toten Lebende machen, dass konnte niemand! Den auch Priester beschworen nur Geister, kein Leben. Sie konnten die Seelen zurückholen, doch ihnen keine Körper schenken, kein Leben.
"Aber ich hoffe für dich, für Claire und für alle Anderen, die in diesem Krieg etwas verloren haben, dass sie ihnen irgendwann Glück widerfährt, sie neue Hoffnung bekommen oder vielleicht doch, etwas wie ein Geschenk ihres Gottes...", sagte er leise und schenkte ihr ein ruhiges Lächeln.
Der Verlust lastete auch schwer auf der kleinen Sirene, auch wenn sie ihn so gut sie konnte verdrängte, versuchte zu verarbeiten. Für einen Moment tat er etwas, das Cale selbst nicht so ganz begreifen konnte, doch es erschien ihm einfach richtig. Für einen flüchtigen Moment zog er Ai in seine Arme und strich ihr - fast liebevoll - über die Wange, bevor er sich wieder von ihr löste und sanft lächelte..

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21. Apr 2013, 13:52
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Beitrag Re: Das Denkmal des Emahil!
Aivere


Callistus trat weg von ihr und verwandelte sich, von dem riesigen Wolf in den Menschen, als der er auch nicht gerade besonders klein war. Er trat langsam wieder zu Aivere und schlang ihr das Fell, ihr Fell, um den Körper, hüllte sie behutsam darin ein. Was wurde das jetzt? Glaubte er etwa, sie war auf Wärme angewiesen? Ganz sicher nicht! Sie war ein Kind des Meeres - ein Kind Androx´- und brauchte ganz sicher keine Wärme, sie fror nicht!
Und doch ließ sie das Fell - was Logan ihr in Candra geschenkt hatte - um ihre Schultern liegen. Logan! Ihr geliebter - toter - Gefährte, ihr Auserwählter! 2000 Jahre hatte sie auf ihn gewartet und dann nur wenige Monate mit ihm gehabt.. Aivere schüttelte leicht den Kopf und vertrieb die Erinnerungen an ihn.
"Weißt du, wenn sie glauben kann ist das in Ordnung, aber verschon mich! Claire glaubt vielleicht was du ihr erzählst, kann die Hoffnung irgendwie bewahren, die ihre Mutter ihr immer hatte schenken wollen doch ich glaube schon lange nicht mehr - ich bin kein Narr, ich weiß, dass es die Götter schon lange nicht mehr für nötig halten, den Menschen zu helfen.. Und ich will nicht glauben, ich werde mich nicht dieser Frau vor die Füße werfen und sie anflehen mir Hoffnung zu geben..", sagte er kalt und wandte sich von dem heiligen Ort ab.
Aivere schloss die Augen und sah ihn dann wieder an. "Ich verstehe deinen Zorn und ich verlange nicht, dass du deiner Göttin wieder huldigst oder an sich glaubst aber es hilft dir nicht wütend zu sein.." erwiderte sie leise und lächelte traurig. "Ich war so lange wütend! Wütend auf Androx, weil er mir dieses Leid zugefügt hat, doch es hat mich immer mehr aufgefressen und mir nicht geholfen den Schmerz zu überwinden. Ich will dir nicht irgendwas raten oder dir sagen was du tun musst, aber Claire braucht dich und sie braucht dich heil - so heil wie es noch irgendwie möglich ist - und wenn du dich selbst hasst und davon zerfressen lässt verliert sie dich am Ende auch noch!" sagte sie noch leiser.
Sie konnte ihm nicht helfen und dass wusste sie, aber sie konnte auch nicht mit ansehen, wie dieser Mann sich selbst hasste und daran zerbrach und Claire den letzten Menschen verlor, der ihr noch geblieben war.
"Aber ich weiß, dass es für meine Familie im Grunde nur ein Segen war, das zeitliche zu Segnen, doch niemals hätte ich mir gewünscht, das Claire bei all dem Schmerz und Leid bleibt. Ich würde alles dafür geben, Claire ihre Familie - ihre Eltern wieder zu geben - doch ich kann es nicht..", sagte er und schüttelte den Kopf. Aivere holte aus und schlug Callistus mitten ins Gesicht.
"Sag so etwas nie wieder! Es ist kein Segen für sie, auch sie sind dort, wo sie jetzt sind, allein! Und wünsch dir nie wieder das Claire mit ihnen gestorben wäre, dass hat sie einfach nicht verdient!" fuhr sie ihn an und unterdrückte mühsam ihre Wut auf seine Worte. Er ignorierte ihre Wut, ihren Schlag und auch ihre Worte.
"Aber ich hoffe für dich, für Claire und für alle Anderen, die in diesem Krieg etwas verloren haben, dass sie ihnen irgendwann Glück widerfährt, sie neue Hoffnung bekommen oder vielleicht doch, etwas wie ein Geschenk ihres Gottes...", sagte er leise und schenkte ihr ein ruhiges Lächeln.
Aivere konnte es einfach nicht fassen.. Er redete davon, dass sie ihn mit ihren Worten in Ruhe lassen sollte und er sülzte ihr hier so eine Scheiße vor.
"Verschone mich!" sagte sie barsch, "Ich brauche deine geheuchelten Worte nicht, denn sie bringen mir auch nichts wieder. Aber ich hasse mich dafür nicht oder ertränke meinen Kummer im Alkohol. Du hast wenigstens Claire, ich habe niemanden mehr.." die letzten Worte waren nur ein leises Murmeln, schwächer als ein Windhauch und sie hoffte, dass er es nicht gehört hatte.
Das war ihr Schmerz und der ging niemanden außer ihr etwas an!
Im nächsten Moment zog er Aivere in seine Arme und strich ihr - fast liebevoll - über die Wange, bevor er sich wieder von ihr löste und sanft lächelte. Aivere starrte ihn einen Augenblick lang völlig geschockt an! Das hatte er jetzt nicht getan..
Doch hatte er! Sie zog ihre Hand zurück und hätte ihn beinahe wieder geschlagen, doch ihre Hand tröpfelte einfach ab und legte sich an seine Brust.
Und dann begann sie haltlos zu zittern und zu schluchzen und barg einen Moment das Gesicht einfach nur an seiner warmen Brust. Callistus war nicht ganz so warm wie Logan und doch hatte auch seine Wärme gerade etwas sehr tröstliches für sie. Es kam ihr vor wie eine halbe Ewigkeit, die sie so da stand und ihrem Schmerz einen Augenblick einfach freien Lauf ließ.
Doch dann wurde sie wieder ruhiger und schluckte schwer, bevor sie sich von ihm löste und ihn entschuldigend ansah. "Es tut mir leid.." flüsterte sie leise und wandte sich von ihm ab. Ihr Blick fiel wieder auf die spielenden Kinder und sie sah Claire in ihrer Mitte lachen. Für die Kleine war das gut, die Ablenkung und die kurze Sorglosigkeit, taten dem Kind gut.
"Sie braucht dich!" sagte Aivere mit fester Stimme, "Du darfst sie nicht auch noch verlassen, ganz gleich auf welche Weise!" schloss sie und legte das Fell wieder ab. Behutsam faltete sie es zusammen und legte es an den Fuß des Baumes, Tränen tropften auf das weiche, weiße Fell, doch Aivere lächelte - wenn auch traurig. Sie pflückte eine der Blumen - eine weiße Simbelmünai - und legte sie auf das Fell. "Ruhe in Frieden, mein Geliebter!" hauchte sie und schloss die Augen...

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21. Apr 2013, 15:18
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Beitrag Re: Das Denkmal des Emahil!
Callistus.



Für einen langen Augenblick schloss er die Augen und betrachtete dann seine kleine Nichte, die seiner kleinen Schwester wie aus dem Gesicht geschnitten sah und immer Helenas ganzer Stolz gewesen war! Sie hätte alles für Claire gegeben - selbst ihn und Theodin! Ja und auch er, hätte alles für seine wundervollen Töchter gegeben oder seinen Sohn, aber wahrscheinlich noch mehr für Irina! Sie waren sein Leben gewesen und sein Leben war ohne sie schrecklich leer und kalt geworden, auch wenn Claire ein Lichtblick war...
Ja, für seine kleine Prinzessin lebte er überhaupt noch, weil er seiner Schwester immer versprochen hatte, sich um ihren Sonnenschein zu kümmern, wenn sie einmal nicht mehr in der Lage dazu wäre. Heute war sie dazu nicht mehr in der Lage und er merkte mehr und mehr, wie er versagte! Er konnte Claire keinen Halt schenken, weil er selbst keinen mehr besaß, nein, der Schmerz um den Verlust seiner Frau, seiner Kinder und seiner kleinen Schwester brachte die Kräfte in ihm zu wanken, brachte ihm gefährlich aus dem Gleichgewicht!
Callistus lächelte, als Claire seinen Blick streifte und ihm entgegen strahlte, voller Glück und Leben. Ihr tat es gut, mit den Kindern zu spielen, sich ablenken zu können während er sich nur schon wieder tiefer in die Gedanken vergrub. "So kann das auch nicht besser werde, du Trottel!", schallte ihm eine wohl vertraute Stimme, eine Stimme die schon solange kannte.. "Hör auf dich in deinem Mitleid zu baden, dass hilft dir und dem Kind, Helenas Kind, auch nicht - du hast es ihr versprochen!", fügte die Stimme ernst hinzu und war dann wieder aus seinem Kopf verschwunden, einfach weg!
Es war die Stimme seiner Mutter gewesen - selbst jetzt, wo er nun schon lange erwachsen war, verstoßen von seinem Vater und nichts mehr als ein Häufchen Elend, war sie da und versuchte ihm zu helfen - doch Callistus wusste auch, dass es nur wieder ein Versuch seiner Mutter war, ihn zu bitten zu ihr zu kommen - zurück nach Hause. Sie war damals fast daran zerbrochen, dass sein Erzeuger ihn und Helena weggeschickt hatte, doch sie hatte nicht aufgehört ihre Kinder zu lieben, ihnen zu helfen - wo sie durch ihre Gabe nur konnte!
Heute könnte er wahrscheinlich wieder zurück gehen, denn schließlich lag sein Vater durch eine schwere Krankheit im Sterben, würde nicht mehr lange leben und war schon viel länger nicht mehr in der Lage zu herrschen. Seit dem, kümmerte sich seine Mutter um das Volk seines Vaters und bat ihn immer wieder zurück zukommen, noch vor dem Krieg.. Wenn er nicht so verdammt stur gewesen wäre, könnte seine Familie heute vielleicht noch leben, wenn er einfach mit ihnen zurück gegangen wäre.
Schwachsinn! Auch dort wären die Vampire irgendwann gekommen, hatten es vielleicht sogar schon versucht.. Es war egal, sie waren tot und er war dafür verantwortlich das auch Claire ein guter Mensch wurde und er würde alles dafür tun, seine kleine Prinzessin zu beschützen!
Doch mit den Gedanken kamen auch die Gefühle wieder hoch, die Wut und der Schmerz und er spürte, das Feuer durch seine Adern pulsieren, wie es seinen Körper zum Glühen brachte und sich tief aus seiner Mitte heraus brach.
Und Cale wusste, dass er es verhindern musste! Bevor sein Feuer sichtbar wurde, zwang er es zurück durch die Verwandlung. Seine Wolfsgestalt war stärker als die menschliche Hülle die er besaß, schaffte es besser mit den Gefühlen klar zu kommen und mit den Gedanken, beherrschte das Feuer besser. Langsam nach dem er eine Ewigkeit dort gestanden hatte, bewegte er sich auf die Sirene zu und legte sich zu ihr. Nicht direkt neben sie, nicht so dass er sie berührte - um Gotteswillen, nein! - und doch, nah genug dass er ihren Körper spüren konnte, ihren Atem hörte.
Für einen Moment schloss er die Augen und legte sich auf die Seite, gerade wollte er einfach nur vergessen und bemerkte dabei gar nicht wie er seinen Kopf ganz dicht an ihren Schoss legte, seinen Kopf regelrecht an sie schmiegte...
Eine halbe Ewigkeit lag er so da, bis er zarte Finger in seinem Fell spürte - zu groß für Claires und auch viel zu kühl - und vorsichtig die Augen öffnete und die Sirene einen Moment - doch ziemlich geschockt - anstarrte, weil es ihre Finger waren, die durch sein Fell strichen.
Was sollte das denn jetzt? Sah er aus wie ein Kuscheltier? Oder ein Schosshund? Meinte sie nicht, dass er dafür ein kleines Bisschen zu groß war? Und doch, auch wenn er sich normalerweise nicht besonders gern in dieser Gestalt befummeln ließ, legte er seinen riesigen Kopf einfach auf ihren Schoss und schloss die Augen. Vielleicht konnte er ihr damit ja ein kleines Bisschen helfen, ihr etwas Ruhe geben.. "Na klar und ich bin Mutter Teresa! Seit wann spiel ich denn den Seelentröster?", fluchte er innerlich und doch, blieb er einfach liegen. Die einzige FRAU, die ihm in dieser Gestalt je so nah gekommen war, war Irina gewesen - von der er sich auch streicheln lassen hatte, weil es ihm einfach Ruhe geschenkt hatte -, denn selbst Helena hatte es gemieden, weil sie genau gewusst hatte, dass er es eigentlich nicht hatte leiden können.. Und doch, lag er jetzt ganz still hier - rührte sich keinen Millimeter mehr - und ließ sich von der Sirene - die ihm vor nicht mal einer halben Stunde voll eine gescheuert hatte - streicheln.. Er war doch tatsächlich nicht ganz dicht!

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21. Apr 2013, 16:42
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Aivere


Aivere war lange einfach nur in ihrer Trauer und ihrem Gebet versunken, bis sie eine wundervolle Wärme neben sich spürte. Erst dachte sie es wäre nur eine Erinnerung an ihren geliebten Logan, doch als sie die Augen öffnete um die Illusion zu durchbrechen, war es Callistus, der neben ihr lag - als Wolf!
Er war so unglaublich warm und gab ihr so viel Trost damit, dass sie einfach nicht anders konnte als ihre Finger liebevoll - fast zärtlich - durch sein Fell streichen ließ. Sanft kraulte sie ihn. Kurz darauf legte er seinen großen Wolfskopf in ihren Schoss und Aivere lächelte sacht.
Liebevoll streichelte sie das Fell zwischen seinen Ohren und schmiegte sich ganz von selbst enger an ihn. Es hatte etwas ungemein tröstliches, wie er ihr bei ihr lag und ihr ein wenig Ruhe schenkte. Doch Aivere wusste auch, dass er es nicht ihretwegen tat. Nein, es war vielleicht einfach nur ihre natürliche Anziehungskraft war. Schon seit je her hatte ihre Rasse etwas geheimnisvolles und das zog viele Lebewesen an, weshalb jede Sirene immer in Gefahr schwebte, sobald sie sich anderen Rassen offenbarte. Ihre Schuppen waren so begehrt, für Tränke jeder Art und als Schmuck oder für was auch immer die Menschen ihre Schuppen gebrauchten, dass schon viele ihrer Schwestern dafür getötet worden waren.
Aivere schüttelte den Kopf. Ja, auch sie wurde schon einige Male beinahe getötet für ihre Schuppen..
"Ich bewundere dich Callistus - wirklich!" murmelte sie leise und streichelte ihn sanft, kraulte ihn liebevoll hinter den Ohren. "Du hättest für dich und Claire für ein Leben lang aussorgen können und dafür hätte es nicht viel gebraucht.. Meine Schuppen sind das Wertvollste, was es in ganz Adrajas und Candra gibt und auch das Seltenste und du bräuchtest nur deine Hand ausstrecken.. doch du tust es nicht! Nicht einmal hast du auch nur mit dem Gedanken gespielt und das ist wirklich bemerkenswert!" flüsterte sie leise und schloss wieder die Augen, schmiegte sich enger an den warmen Körper des Wolfs.
Aivere holte einen Lederbeutel unter ihrem spärlichen Kleidern hervor und legte ihn zwischen seine großen Pfoten. "Deine Bezahlung!" erklärte sie ihm sachlich und löste sich dann von ihm, strich ihm noch einmal durchs Fell. Diese Nähe zu ihm zuzulassen war nicht gut und es weckte ein Gefühl in ihr, was sie schon lange nicht mehr gehabt hatte. Seit sie Logan in dieser wundervollen Nacht gefunden hatte, hatte sie nicht mehr diese Sehnsucht gespürt und den drang einen Mann mit ihrem Gesang zu verführen.
Sie durfte das einfach nicht zulassen - Logan war der Eine gewesen und eigentlich sollte er das auch bleiben, für immer - und doch spürte sie diesen Drang jetzt bei Callistus und auch in ihren Augen spiegelte sich diese Sehnsucht wieder. Sie musste gehen, bevor sich dieses Gefühl noch verstärkte und sie wirklich noch zu singen begann. Doch irgendwann würde sie es wieder tun müssen.. Wenn sie überleben wollte, musste sie die Männer wieder in ihren Bann ziehen, ihnen den Kopf verdrehen - denn das war ihr Lebenselixier.
Aivere löste die Finger vorsichtig aus seinem Fell und schritt langsam auf ihren kleinen Hengst zu, der in der Nähe grast. "Hallo mein Hübscher!" murmelte sie ihm sanft zu, streichelte ihn liebevoll und sprang leichtfüßig auf seinen Rücken.
Sie hatte Callistus genug Geld da gelassen, das Doppelte, was er verlangt hatte und zwar für ALLE heiligen Stätten. Ihm und Claire würde es gut gehen - zumindest in diesem einen Punkt!
"Komm lass uns gehen Cemal!" sagte sie und trieb ihren Hengst voran. In schnellem Galopp entfernte sie sich von Emahils Baum, von dem Gehöft der Odrianen und von den beiden Menschen, die sie in der kurzen Zeit viel zu lieb gewonnen hatte.
Aivere spürte seit langer Zeit wieder die Veränderung ihres Körpers, spürte wie ihre Augen zu glühen begannen und ihre Haut sich golden färbte.
Aus ihrer Kehle drang ein schrecklicher, lauter Klageschrei und sie trieb ihren Hengst noch mehr zur Eile an und der Schrei hielt an und hallte über das Land dahin - hinaus auf die Ebene auf die sie jetzt zu hielt...

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21. Apr 2013, 18:22
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